Was tun, wenn das Fohlen
zum Waisen wird?


Prinzipiell gibt es 2 Möglichkeiten:

Eine Amme suchen oder per Flasche aufziehen, wobei eine Amme die deutlich bessere Lösung ist. Allerdings gilt hier die alte Weisheit: Man nehme, so man habe...

Bis aber eine Ammenstute gefunden ist, wird man um die Übergangslösung mit der Flasche nicht herum kommen.


Der erste Tag

Für die ersten Tage kann bei Tierärzten zumindest eine Notration Fohlenmilchaustauscher bezogen werden. Wenn der Haustierarzt dies nicht hat, im Branchenbuch nach Tierkliniken/Fachtierärzten für Pferde nachschauen.
Kuhmilch - auch verdünnt - löste bei den uns bekannten Fällen immer lebensbedrohliche Durchfälle aus.

Kolostralmilch

Wenn die Mutter jedoch gleich bei der Geburt stirbt, ist es noch lebensnotwendig, daß das Fohlen mit der sogenannten Kolostralmilch versorgt wird, da diese dringend benötigte Antikörper enthält, die für das Fohlen überlebenswichtig sind. Die Aufnahme muß innerhalb von vierundzwanzig Stunden nach der Geburt erfolgen, da nur in dieser Zeit die Antikörper aufgenommen werden können.

Wenn die Aufnahme der Kolostralmilch nicht gewährleistet ist, muß ein Bluttest durch den Tierarzt (vor Ort) durchgeführt werden, der die Zahl der Antikörper im Blut feststellen kann.

Bezugsquellen für Kolostralmilch


  • Ulrike Castle, Gestüt Isarland, Telefon 08151/89209 (Aktuelle Lieferanten können hier erfragt werden)

  • Eine Kolostralbank betreibt der SOS-Fohlen-Dienst in Zusammenarbeit mit Biomil Stutenmilch in der Schweiz,
    Telefon 0041-34/4025910.

  • Einen Biestmilchersatz gibt es auch von der Firma Pavo Pferdenahrung GmbH, erhältlich im ausgewählten Fachhandel, am besten unter 02823/417535 bei Pavo zu erfragen. (ca. 60 DM für den notwendigen 150 Gramm-Beutel, der eingerührt in einen Liter Stutenmilch oder künstlicher Fohlenmilch innerhalb von 12 Stunden nach der Geburt verteilt über einen Zeitraums von sechs bis acht Stunden verfüttert werden soll, d.h. man müßte allerspätestens sechs Stunden nach der Geburt mit dem Verfüttern beginnen)




Ammenstuten

Adressen für die Vermittlung von Ammenstuten

  • Ulrike Castle, Gestüt Isarland, Telefon 08151/89209

  • Ammenstuten-Notdienst der Tierklinik Sottrum (Norddeutschland), Telefon 04264/3561

  • SOS Fohlen-Dienst, Pierre Matile (Schweiz), Telefon 0041-34/4025910 (Vermittlung von Ammenstuten und Fohlen, (Gebührenpflichtig) http://www.sos-fohlen.ch
    Fohlen

  • Salvana-Fohlennotdienst, Tel. 04121/80461

  • Redaktion "Die Koppel": Tel. 02473/87965

Kontaktieren Sie auch Tierärzte und Tierkliniken (gelbe Seiten - auch im Internet), da diese Kenntnisse über anstehende Problemgeburten oder bereits eingetretene Todgeburten haben. Die Halter der Stuten mit Todgeburten sind meist bereit, ihre Stute als Amme zur Verfügung zu stellen, da sie ansonsten die Stute abmelken müssen.
Es gibt auch "Unternehmen", die Ammenstuten professionell vermieten (ca. € 250.--/Monat) - zum starken Leidwesen derer eigenen Fohlen

  • Die wenigsten Ammenstuten werden das fremde Fohlen auf Anhieb annehmen.
  • Es wird immer wieder von schweren Unfällen durch Schläge von Stuten berichtet, die dadurch verursacht werden, daß das Kleine bei ihr saugen will und sie es (anfangs) nicht zuläßt.

Folgende Tipps haben wir zu dieser Thematik gesammelt:

<<"Verhält sich die Stute gegenüber dem Fohlen ablehnend, müßt ihr sie durch Futter ablenken oder sie festhalten, falls sie treten sollte, sogar ein Huf hochhalten. In der Regel legt sich das ablehnende Verhalten innerhalb der ersten drei Tage. Während dieser Zeit ist das Verhalten der Stute ständig zu beobachten. Letztes Mittel, die Mutterinstinkte zu wecken, ist dann am dritten Tag die Stute an der Hand aus dem Stall zu führen und das Fohlen frei mitlaufen zu lassen. Vielfach wird sie nach dem Fohlen wiehern, wenn es sich dann von ihr entfernt und der Bann ist gebrochen. Schlechte Chancen habt ihr, wenn die Stute anfangs freundlich und im Laufe der Zeit ablehnend wird. Dann muß die Suche nach einer Amme von vorne losgehen oder ihr verlegt euch doch noch auf die Ernährung mit künstlicher Fohlenmilch.">>

Oft wird auch die Empfehlung, das Fohlen mit dem Kot/Urin der zukünftigen Ammenstute einzureiben, als "Geheimtipp" gehandelt: Zumindest bei uns war es ein totaler Flopp



Aufzucht mit der Flasche

Dazu benötigt man außer dem Fohlenmilchtauscher noch folgende Utensilien:

  • Saugflasche, am besten eine mit Ventil, da bei den normalen Flaschen - ohne Ventil - zuviel Luft vom Fohlen verschluckt wird. Das Loch am Sauger muß vor Gebrauch auf die richtige Größe (?) geschnitten werden. Eine Ersatz-Flasche bzw. Sauger ist sehr ratsam da man bei Ausfall des Schoppens sehr schnell in ernsthafte Schwierigkeiten geraten kann. Blecheimer mit Sauger sind nicht geeignet, da die Milch darin zu schnell abkühlt
  • Milchthermometer,
  • Meßbecher ,
  • Mixbesen und
  • Mischgefäß zum Anmischen

Zuallererst muß dem hungrigen Fohlen das Trinken aus dem Schoppen beigebracht werden. Es kann mehrere Stunden dauern, bis das Fohlen das erste Mal die angebotene Milch annimmt. Dabei ist zu beachten, daß die Milch nicht zu stark abkühlen darf.

In den ersten zwei Wochen muß man etwa alle 45 Min tränken. Wichtig ist auch, daß dem Fohlen nicht zuviel Milch auf einmal gegeben wird, da ansonsten ernsthafte Schäden am Magen durch Überdehnung zu erwarten sind. Die Herstellerangaben bzgl. der Milchmenge/Anzahl der Fütterungen war unserer Meinung auf die Bequemlichkeit und nicht auf den tatsächlichen Bedarf ausgelegt, was zumindest die letzten Abschnitte der Milchfütterung betraf.

  • Unbedingt die Trinktemparatur einhalten und zuverlässig prüfen: Wenn sich das Fohlen beim Trinken verbrüht, ist guter Rat teuer!

Hygiene

Sehr wichtig ist auch die Hygiene. Alle zum Tränken verwendeten Gerätschaften sind sorgfältig und gleich nach Benutzung zu reinigen: Zuerst heiß mit Spülmittel, dann sehr gründlich kalt nachspülen. Dabei sind auch die Spülmittelreste im Sauger zu berücksichtigen. Wenn Milchreste längere Zeit in einem Gefäß vor sich hingammeln, bildet sich Buttersäure, die Gerätschaften unbrauchbar macht: Der Geruch ist praktisch nicht mehr wegzubekommen.

Wenn das Fohlen einen bestimmten Milchaustauscher verträgt (kein Durchfall), so sollte dieser unbedingt beibehalten werden.

Es kann zu Lieferengpässen kommen, so daß immer ein geprüfter Vorrat da sein sollte:

Uns ist es leider einmal passiert, daß ein Sack (von einem der größten Hersteller) klumpig war und trotz Hunger vom Fohlen verweigert wurde. Der Zeitraum, bis Ersatz verfügbar war, war sehr kritisch und weckt schlechte Erinnerungen.

Hersteller von Milchaustauschern für Fohlen

sind u.a. Salvana,Höveler und Pavo. Alle werden in Pulverform geliefert und mit Wasser angerührt. Von Milchaustauschern für Kälber können wir nur abraten, da hier starke und damit lebensbedrohliche Durchfälle auftraten.

25 Kilo kosten ca.€ 50.

  • Salvana Tel.04121/8040
  • Pavo Tel.02823/417535
  • Höveler Tel 02173/282-0, http://www.hoeveler.com.



Fohlenstarter (Kraftfutter für Fohlen)

ist ein zweischneidiges Schwert: Er nimmt einem zwar einen Teil des Tränkens ab, (man kann die Pellets zuerst einweichen, weil die Fohlen die Pellets noch nicht richtig kauen können und wenn man sie dann trocken verfüttern kann, lernt das Fohlen, feste Nahrung aufzunehmen) jedoch ist dieser so nahrhaft, daß ernsthafte Schäden zurückbleiben, wenn der Fohlenstarter nicht sehr diszipliniert angewendet wird, da der Körper zu schnell "schießt" und Sehnen und andere Körperteile im Wachstum nicht nachkommen

  • Sehnen und Gelenkschäden sind bei unvorsichtigem Gebrauch von Fohlenstarter wahrscheinlich und auch dokumentiert

Die Fütterungsempfehlungen der Hersteller sind sehr kritisch zu betrachten und sind unserer Meinung nach für Züchter gedacht, die ihre Fohlen möglichst schnell loswerden wollen.

Auch möchten wir von Futtermitteln abraten, die tierische Bestandteile wie zB Gelatine enthalten. Pferde sind Vegetarier und die jüngste Vergangenheit hat doch ziemlich eindrucksvoll gezeigt, wie unheilvoll das Füttern von tierischen Bestandteilen an Pflanzenfresser ist.


Professionelle Fohlenaufzucht

Der Fohlenhof Voss in Wittorf hat sich auf die Aufzucht verwaister Fohlen spezialisiert.

Er ist nahezu rund um die Uhr unter 0171/4948618, 0171/6451628 oder 0171/8328649 zu erreichen Der Fohlenhof kümmert sich auch um den (nicht ganz einfachen) Transport. Wir haben die Erfahrung gemacht, daß man hier auch bereitwillig gute Tipps bekommen kann.




Haltungsbedingungen für Fohlen

Nach dem Tierschutzgesetz dürfen Fohlen nicht in Anbindehaltung gehalten werden. Täglicher Weidegang mit Artgenossen sollte zur Selbstverständlichkeit gehören.

Auch sollte es mindestens einen in etwa gleichaltrigen Kameraden haben, damit es sich körperlich und geistig normal entwickeln kann. Bereits bei einem Altersunterschied von einem Jahr, spielen sie praktisch nicht mehr miteinander und geben sich nicht mehr die gegenseitige Sicherheit, die sie so dringend benötigen. Beim Spiel mit gleichaltrigen Artgenossen bauen die Fohlen ihre Muskeln, Knochen, Gelenke und Sehnen korrekt auf. Was hier versäumt wird, ist im Alter fast nicht mehr zu korrigieren. Auch die "Sprache" der Herde wird hier spielerisch erlernt. Man muß immer ein Auge auf die anderen erwachsenen Pferde haben, mit denen das Fohlen zusammen ist, da diese zB beim Versuch des Waisenfohlens, Milch bei einer fremden Stute zu bekommen, oft nach dem Kleinen auskeilen und ihn aufs Schwerste verletzen können.